Winkhaus hat sich mit der Umfirmierung im vergangenen Jahr europäischer ausgerichtet. Wie hoch ist aktuell der Exportanteil des Unternehmens?
TW: Der Exportanteil liegt derzeit bei etwa 60 Prozent. Das zeigt, welche Bedeutung auch die internationalen Märkte für uns haben.
Welche Länder haben sich in den vergangenen Jahren besonders stark entwickelt bzw. in welchen Ländern boomt der Bau gerade besonders und verspricht für Winkhaus gute Geschäfte?
TW: Vor allem der osteuropäische Markt hat sich positiv entwickelt – insbesondere Polen. Einen richtigen Bauboom erleben wir in Europa derzeit allerdings nicht.
Werden in den Ländern Europas andere Produkte gewünscht als hierzulande, beispielsweise deutlich mehr Elektronik?
TW: Dass im Ausland elektronische Produkte deutlich nachgefragter sind, können wir nicht bestätigen. Es gibt allerdings von Land zu Land abweichende Anforderungen. Das liegt dann vor allem an länder- und marktspezifischen Gegebenheiten.
Vertreibt Winkhaus in den europäischen Ländern über die Tochtergesellschaften ebenfalls an Handelspartner oder ist der Vertrieb dort anders ausgerichtet als in Deutschland?
TW: Das ist von Land zu Land unterschiedlich. In Deutschland setzen wir auf eine enge und langjährige Partnerschaft mit dem Handel. In Polen ist hingegen beispielsweise der direkte Kontakt zum Verarbeiter entscheidend. Wir richten unsere Vertriebswege also flexibel nach den Marktgegebenheiten aus.
Sind weitere Produktionsstandorte in anderen Ländern oder möglicherweise Übernahmen bzw. Beteiligungen an dort ansässigen Unternehmen geplant?
TW: Aktuell konzentrieren wir uns auf organisches Wachstum. Mit unseren bestehenden Produktionskapazitäten, die wir durch Investitionen in Polen noch einmal erhöht haben, sind wir gut aufgestellt. Deshalb planen wir derzeit keine zusätzlichen Erweiterungen.
Ist das Thema Preisdruck in anderen Ländern Europas ebenso stark ausgeprägt wie in Deutschland – falls ja, welche Antwort haben Sie darauf?
TW: Ja, der Preisdruck ist in ganz Europa spürbar. Auch wenn unsere Produkte nur einen geringen Einfluss auf den Endpreis eines Fensters haben, ist die Sensibilität beim Beschlag sehr hoch. Unsere Antwort darauf ist ein umfassendes Leistungsangebot. Wir liefern nicht nur qualitativ hochwertige Produkte, sondern bieten unseren Kunden auch zusätzliche Lösungen, die ihnen helfen, ihr Geschäft effizienter zu gestalten. Das schafft an verschiedenen Stellen einen Mehrwert.
Blicken wir noch kurz auf den deutschen Markt. Wie wird sich die Nachfrage nach elektronischer und mechanischer Schließtechnik Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren entwickeln?
TW: Das Sicherheitsempfinden der Menschen steigt kontinuierlich – darin sehe ich ein großes Potenzial für unsere Branche. Sobald sich der Investitionsstau in der Baubranche löst und das Vertrauen in die deutsche Wirtschaft zurückkehrt, wird auch die Nachfrage wieder zunehmen. Wir beobachten schon heute ein wachsendes Interesse an elektronischen Schließanlagen. Trotzdem bin ich überzeugt, dass mechanische Lösungen auf absehbare Zeit weiterhin den größeren Marktanteil behalten werden.
Welche Rolle spielen dabei der Baubeschlaghandel und Sicherheitsfachgeschäfte – wird ihre Bedeutung für den Bereich der Schließtechnik eher zu- oder eher abnehmen?
TW: Der Baubeschlaghandel ist ein starker und wichtiger Partner in den Märkten. Als Komplettsortimenter und kompetenter Ansprechpartner für Fenster und Türenbauer trägt er maßgeblich zur Qualität und Leistungsfähigkeit unserer Branche bei. Ich bin überzeugt, dass der Handel auch künftig eine zentrale Rolle im Bereich der Schließtechnik spielen wird. Gleiches gilt für das Sicherheitsfachgeschäft, das mit seiner Fachkompetenz und Kundennähe eine ebenso bedeutende Stellung einnimmt.